Machen wir uns nichts, aber auch rein gar nichts vor! Eine solche Reise ist immer auch mit einem gewissen Grad an Ausrüstungsfetisch verbunden. Man konsumiert im Vorfeld der Anschaffung jede Menge Test- und Erfahrungsberichte, verbringt Stunden damit, die erwählten Equipmentjuwelen so günstig wie möglich zu erstehen und kann es gar nicht erwarten, sie dann endlich zur Anwendung zu bringen! … Bis, ja bis sie die ersten Macken bekommen und man aufpassen muss, dass sie durch die Absenz der „Vorgebrauchsvollkommenheitsästhetik“ (=Neuzustand) nicht ihren Reiz verlieren.

Gut, man ersetze das „man“ durch ein „ich“ und beschreibt damit eine wesentlichen Mentalitätsauffälligkeit des Herrn Mutton, der nicht leugnen kann, einen gewissen Reiz im Neuzustand von Ausrüstungsgegenständen zu sehen. Natürlich kann man dieses komplette Spannungsverhältnis noch deutlich intensivieren, indem man beispielsweise Farben wählt, die wohl eher ungeeignet sind, um lange neu auszusehen… Sei es drum … Die hammel’sche Mentalität befindet sich seit spätestens acht Monaten in einem gesünderen Wandlungsprozess. Man/Ich kann durchaus mittlerweile einen gewissen Reiz in der Existenz anwendungsspezifischer Gebrauchsspuren erkennen – die Dinge wollen/sollen ja schließlich benutzt werden und tun somit ihren Dienst … (Aber mal ehrlich: ein weißes Zelt?!?!?!? Das ist schon nicht ohne als Herausforderung an die Charakterdisposition :-))
Gut, genug des Gefasels, schauen wir uns doch zentrale Ausrüstungsgegenstände nach der intensiven Anwendungsphase doch mal genauer an und beurteilen ihre Sinnhaftig- und Reisetauglichkeit aus unserer Perspektive!

1. Das Radel

Das Surly Ogre hat sich in seiner grundlegenen Ausstattung sehr bewährt. Wir würden nicht nur nicht mehr auf eine eher mountainbikeorientierte Rahmengeometrie verzichten wollen, die den Vorteil hat, auch in anspruchsvollerem Gelände das Handling des Rades so einfach wie möglich zu machen, auch die Reifenwahl in Kombination mit einer wartungsfreien Starrgabel und robustem aber flexiblem Stahl als Rahmenmaterial waren erste Sahne! Der Schwalbe Mondial auf dem Hinterrad hat trotz seiner überragenden Pannenresistenz (gerade mal einen Platten durch einen Metallspahndurchstich) bei Hammelinchen auf bereits 12.000 Kilometern können sich sehen lassen. Wenn man diesen Reifen dann auch mindestens in der Breite von 2.0, hat man auch bei Pisten durch das Ablassen der Luft enorme Komfortreserven bei bleibender Stabilität! Der Continental RaceKing in der Protection-Ausführung reagiert zwar etwas allergischer auf Kakteen, bietet aber durch sein Volumen und hervorragende Leichtlaufeigenschaften geniale Allroundqualitäten und hält sicher noch ne Weile durch…
Beim Antrieb sind wir sehr erstaunt über die Langlebigkeit der Shimano-Ketten in der SLX-Ausführung. 5000 Kilometer scheinen dem Ding überhaupt nichts auszumachen, denn die Rohloff-Verschleißlehre verweißt auf weiteres deutliches Potential, trotz jeder Menge Regen und Staub. Übliche Kettenpflege ist natürlich obligatorisch, aber eine solche Laufleistung hätte ich nicht ansatzweise erwartet.
Außer der Rohloff-Verschleißlehre für Ketten kommt keine Rohloff ans Radel, das steht für uns fest. Die Getriebenabe ist sicher an Ingenieurskunst kaum zu überbieten, aber auf den vielen Kilometern durch die raue südamerikanische Pistenwirklichkeit bestand nie das geringste Problem für die klassische Kettenschaltung (sieht man mal vom peruanischen Leerlaufdilemma ab). Einen Ölwechsel muss man auch nicht durchführen und die Handhabung hat sich in ihrer Einfachheit bewährt. Die Rohloff hat sicher ihren Reiz, aber für das Geld kann man auch in andere Reiseutensilien investieren, womit man eine noch deutlichere Leistungssteigerung erfährt.
Die Laufräder haben sich, bei allen Diskrepanzen, durchaus bewährt. Hier ist ein möglichst breites Felgenbett in Kombination mit breiteren Reifen eine gute Wahl für Stabilität. Einzig bei den Naben wird wohl zukünftig auf eher robustere Varianten zurückgegriffen. Der Name „Hope“ steht nicht nur für dessen deutsche Übersetzung auf mehr Stabilität, sondern ist eine wesentliche Referenz auf diesem Feld!
Der Nabendynamo in Verbindung mit dem FORUMSLADER ist für uns die erste Wahl. Letzterer ist dank vieler Mitwirkender und den Fähikeiten seiner Entwickler zu einem der leistungsstärksten Energiegewinnungsutensilien geworden, die wir kennen – einfach genial, seinen eigenen Strom zu generieren während einer Tätigkeit, die man ja nun eh einmal als wesentliche Fortbewegungsart auserkoren hat. SPITZE!
Und wenn es auf den ersten 1000 Kilometern noch irgendwelche Zweifel bezüglich unserer Sättel gab, so waren sie ab dem 1001. Kilometer komplett ausgeräumt. Was anderes kommt nicht mehr an unsere Tourenräder, können wir den Sattel über viele Stunden täglich ohne Zusatzbepolsterung fahren, ohne der Fähigkeit des Sitzens vor, während und nach der Etappe verlustig zu gehen! (Sofa-Feeling wird es aber dennoch nie werden – so ehrlich müssen wir hier sein!)

2. Sack- und Pack

Dreiecks-Rahmentaschen sind für uns ein Muss – einfach anzufertigen, bieten sie sinnvolle Platzausnutzung und verlagern das Gewicht sehr gut. Auch die Lösung für die Gabel ist sehr gut. Hingegen hätten wir uns gerade gegen Ende des Weges in Südamerika einen wasserdichten Packsack für den hinteren Gepäckträger gewünscht und könnten das nächste Mal auf eine kommerzielle Lösung a la Ortlieb zurückgreifen. Die Backroller der gleichen Firma sind nicht umsonst so beliebt bei Reiseradlern, sie sind robust, wasserdicht und bieten viel Platz. Allerdings sind sie bei rauerem Gelände und auf Trails dann doch etwas hinderlich und bieten mit ihrer Hecklastigkeit keine ganz so überzeugende Gewichtsverteilung. Da gibt es mittlerweile wohl bessere Möglichkeiten aus dem Bikepackingbereich, wie beispielsweise der BINDLE RACK von PWD zeigt. Wird ausprobiert, vielleicht schon bald 😉

3. Home, sweet home

Mit dem MSR HUBBA HUBBA NX haben wir eigentlich genau ins Schwarze getroffen, auch wenn es weiß ist (das einzig wirklich Dämliche an diesem Zelt!!!) Bei unschlagbarem Gewichtsvorteil bietet es absolut ausreichende Stabilität und vor allem Komfort. Es steht allein, hat gute Lüftungseigenschaften, damit man nicht zu sehr im eigenen Saft liegt, wartet mit enormem Platzangebot auf, ist relativ leicht und schnell auf- und abzubauen und bietet den Grad an Offenheit, der der unsere ist. Schwergewichte kommen uns nicht mehr in die Tüte. Und mit Hilleberg verhält es sich in etwa so wie mit der deutschen Mentalität zu Versicherungen :-)! Overdressed, und nicht zu knapp!
Auch die Schlaftüten-Isomatten-Kombination hat sich vollstens bewährt und trotzte allen Kältegraden anstandslos. Daune ist und bleibt die erste Wahl für uns und wenigsten bietet der Down-Codex von Mountain Equipment einen ersten Ansatzpunkt, tierfreundlichere Produkte zu nutzen, sofern man hier davon sprechen kann… (Es bleibt hier tatsächlich immer schwierig und widersprüchlich, leider!)

3. Die Dinge klarer sehen – unsere Brillen

Ganz großes Kino!!! Das schreibe ich jetzt nicht, weil wir die Gläser und ein Brillengestell von proOptik gesponsert bekommen haben. Nein, sie überzeugen einfach auf ganzer Linie, und zwar in jeder Situation. Wenn man eine Brille den ganzen Tag auflassen kann, ohne ein störendes Gefühl zu bekommen, auch wenn sich Bedingungen wie die Lichtverhältnisse ändern, dann stimmt es einfach. Die doch für uns eher neuartige Kombination aus selbsttönenden Gläsern, die gleichzeitig die notwendige Stärke zur Kompensation unserer Sehschwächen aufweisen und dazu die notwendige Wölbung aufweisen, damit sie als Sportbrille praktisch angewendet werden können, ist einfach wahnsinnig praktisch. Dabei klaren die Gläser in der Nacht völlig auf und man hat eine „normale“ Brille auf der Nase. Nie wieder ohne diese Ausführung – das steht fest! EINE FÜR ALLE(S)!

4. Der Pelz…

Leute, Merinowolle ist die erste Wahl!!! Ich verzichte jetzt mal aus diversen Gründen 😉 auf die detaillierte Beschreibung der Waschzyklen unserer Klamotten, aber soviel steht fest: alles andere macht einen schnell stinkig 🙂

Fotos und Videos sind die Gedächtnisstützen schlechthin, vor allem bei dieser Erlebnisdichte, die wir hier erleben müssen :-), ähm dürfen und können! Was erinnern wir schon noch von den Anfängen? Irgendwie erschreckend, aber dann eben auch beruhigend, schöne oder interessante Eindrücke mit Fotos und in bewegten Bildern festhalten zu können.
Die Sony Alpha6000 gibt hier ein wahrlich gutes Bild ab. Das Handling ist unkompliziert für unsere Einsatzarten, sie hat ein optimales Gewicht-Maße-Qualitäts-Verhältnis und auch in Kombination mit den Festbrennweiten ist ihr Einsatz für uns ein sehr guter Kompromiss. Auf das Mitnehmen des 50mm-Objektives würden wir das nächste Mal wohl auch verzichten, denn das 30mm ist das Immerdrauf und wird nur abgenommen, wenn die Landschaft den Rahmen sprengt.
Mit der Gopro Session 4 überzeugt vor allem durch ihre kompakten Maße und die sehr lange Akkulaufzeit. Der integrierte Akku zeigt sich hier als Vorteil, kann man ihn doch problemlos ohne Umwege während des Fahrens aufladen. Die Kamera befindet sich die ganze Zeit auf dem vorderen Gepäckträger und muss so einiges mitmachen, ist aber auch immer sehr schnell griffbereit. Dafür sieht sie noch sehr gut aus und die Funktion ist gegeben wie am ersten Tag. Der Würfel ist ein Muss für uns geworden… Einfacher geht es nicht.

6. Verarbeitung der Eindrücke -Tablet, Handy, Apps etc.

Tablet und Tastatur sind für uns das ideale Setup, um Eindrücke in Wort und Bild schnell und komfortabel zu digitalisieren. Wichtig dabei erscheint, dass das Tablet ausreichend leistungsstark ist, weil es mit der hervorragenden Lightroom-App doch irgendwann passieren kann, dass die CPU doch arg am Rödeln ist. Das Sony Xperia Z3 compact macht aber eine gute Figur und kann uns auch mit ausreichender Akkuausdauer voll überzeugen. Auf die Tastatur möchten wir auch nicht mehr verzichten, erleichtert sie doch das Schreiben ungemein!
Die Locus Pro App ist jeden der wenigen Taler wert. Das Loggen und Organsieren der Strecken/Tracks wird, sofern man sich etwas eingearbeitet hat, zum Kinderspiel. Die Synchronisation mit der Dropbox läuft wunderbar.
Das aktuelle Moto G2 hat bei allem Gerechne durch Locus, Musik-App, Internetnutzung etc. aber zunehmend arge Probleme. In den letzten Wochen kam es nicht selten vor (mitunter dreimal die Stunde), dass sich die SD-Karte einfach mal verabschiedete und man diese entfernen und wieder einstecken musste, damit es weitergehen konnte. Echt nervig und es hängt sehr wahrscheinlich damit zusammen, dass die CPU doch sehr schnell sehr heiß wird, wenn das Phone etwas zu tun bekommt… Da muss das nächste Mal definitiv etwas leistungsstärkeres her, denn grundsätzlich hat sich der Einsatz eines Smartphones definitiv bewährt. Die Dinger sind unglaublich robust und wenn man bedenkt, was sie im normalen Teenie-Alltag so alles aushalten müssen, verwundert es nicht, dass sie auch eine solche Reise überstehen und ihren Dienst tun… Immer wieder gern, denn man hat ein universelles Gerät im Einsatz, mit dem man so einiges Nützliches anstellen kann.

An dieser Stelle sei auf eine ganz besonders nützliche App in Südamerika hingewiesen: iOverlander. Mit dieser Offline-Datenbank ist man in der Lage, geniale Campspots und Hinweise zu Einrichtungen auf seinem Weg gen Süden zu finden, aber auch selbst Punkte/Spots/Kommentare hinzuzufügen und anderen Reisenden damit zu helfen, das zu bekommen, was sie brauchen. Ob sich die App auch in Deutschland bewährt, bleibt abzuwarten, ist beispielsweise wildes Campen nicht wirklich legal in Good Old Germany… Wir testen es aber mal aus.

So, das war ein kurzes Zwischenfazit zu einer Auswahl unserer Ausrüstungsgegenstände und deren Nutzen unterwegs. Sollten noch andere Dinge von Interesse sein, dann fragt einfach an!

Advertisements