Das gängige Regenmaß wird europaweit bekanntlich in Milimetern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde angegeben. Kann man machen, reicht aber an der neuseeländischen Westküste der Südinsel zu „Gusszeiten“ vielleicht für zehn Sekunden! Dann doch lieber in Metern? Mmmh, kann man sich auch irgendwie schlecht vorstellen. Also haben wir, zugegeben nicht ganz freiwillig, eine ganz neue Methode kreiert: die mutton’sche Pappbox-Degeneration (Patent beantragt!).

 

Man gehe zur Regenzeit seiner Wahl in einen Supermarkt, besorge sich die notwendigen Dinge zum Überleben (rohe Eier bieten hier ein erhöhtes Maß an Spannung) und lasse sich das alles in einen handelsüblichen Karton seiner Wahl packen, verbunden mit dem reinen Gewissen, der Umweltverschmutzung durch Plastiktüten mal wieder gehörig ein Schnippchen geschlagen zu haben. Bähm…! Gut, jetzt wird gemessen. Man trage den ganzen Krempel jetzt die 700 (sic!) Meter zum angemieteten Domizil während es regnet. Löst sich der Pappkarton in dieser kurzen Zeit komplett auf und lässt einen auf den letzten Metern im wahrsten Sinne einen Eiertanz aufführen, hat man das Maß neuseeländischer Regenphasen, die gerne auch mal fünf Tage anhalten, sodass man zur osterlichen Stoßzeit im scheinbar touristischsten Nest ganz Neuseelands gefangen ist und einen stattlichen Preis für eine Hütte zahlt, weil an Zelten nun beim besten Willen nicht zu denken ist, schon gar nicht, wenn einer der stärksten Stürme der letzten 50 Jahre über das Land fegt. TIMING, BABY!!! 😉 Macht nix, in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft, deren Absens zudem zu sehr langen Armen während des Regenmaßmessens führte.

So, es schüttet also wie aus Eimern! Gut, dass die Muttons vormittags noch den circa acht Kilometer langen Dschungelweg zum Fuße des Fox-Gletschers auf Schusters Rappen absolviert haben, um eine der vermeintlichen Attraktionen, nach denen Dörfer benannt werden, in Augenschein zu nehmen… Konsterniert stehen wir am Absperrband und starren auf einen Haufen dreckigen Elends, welches sich scheinbar schmerzhaft immer mehr zurückgezogen hat…. Das soll ein Gletscher sein? Der sieht eher aus wie ein Schneerest im Frühling! Klimawandel, ein Hirngespinst von Spinnern?! Mmmh… Bloß gut, dass im Minutentakt die Helikopter über uns hinwegfliegen, um die Touris für ein paar Minuten auf dem Gletscher abzusetzen, damit sie dies erleben dürfen, „solange es noch geht“ (sinngemäß ein Werbeslogan für solch einen Heliflug). Gar nicht so dumm, wenn man sich überlegt, dass knappe Güter nach Marktlogik teuer sind. Also zur Verknappung weiter beitragen und kräftig abkassieren? KLARO! An diesem Tag waren wir mit zwei japanischen Kamikaze-Leihfahrradfahrern die einzigen auf dem ersten Stück des Trails, weil man natürlich auch auf 800 Meter zum Aussichtspunkt heranfahren kann. Wenn schon, dann wenigstens konsequent!

Kurz vor Erreichung des Scenic Point fängt es an zu regnen, um die nächsten Tage nicht mehr (abgesehen von ein paar kurzen Pausen) aufzuhören. Der Rückweg auf dem Dschungeltrail ist eine spannende und reizvolle Erfahrung, auch wenn einem ob des üppigen Gusses die Suppe schon bald die Beine runterrinnt. Jetzt noch schnell die Regenintensität messen und ab in die Hütte… !

Als wir uns nach unserer feuchtfröhlichen 16 Kilometer langen Wanderung also ruhetagsangemessen in die Kojen schmeißen wollten, endeckten wir „Geschenke“ auf unserem Bett, die zu folgender Begebenheit führte:

Wir räumten schleunigst und akribisch schauend unsere Bude auf, Hammelchen trottete alsbald zur Rezeption des Campingplatzes und konfrontierte die Dame an ebendieser mir der knallharten Wahrheit: „Wir haben eine Maus im Zimmer und die hat uns auf das Bett gepinkelt!“ Die Dame antwortete im Affekt: „Oh, shit!“ und darauf konnte ich nur grinsend erwidern: „Jaaaaaa, das auch!“ 😉

Promt wurde das Bett neu hergerichtet, aber das Muttons-und-Maus-Spiel stand erst am Anfang! Musik und Licht anlassen, während man in einem anderen Raum kocht und isst? Juckt das kleine Ding nicht im Geringstens. Da wird schön über die Betten gesprungen und überall nur mit den kleinen Köddeln um sich geworfen… Schon krass, wo die kleinen Tierchen überall hinkommen… Die Kommode war in allen drei Schubfächern gezeichnet vom Mäusebesuch… „Die muss doch hier irgendwie reinkommen oder sogar im Raum weilen!“, war ein Gedanke, der eine größere Suchaktion unsererseits auslöste, die sich das Campingplatzpersonal scheinbar konsequent ersparte… Egal, Betten weg! Keine Löcher in der Wand! Durch das Fenster? Nee!!! Siehe da, die hat sich in einen Bettkasten „reingefressen“! Na warte, kleiner Scheißer… Kurzerhand verbarrikadieren wir den Ein- und Ausgang mit der Verpackung der heil ins Domizil gebrachten Eier und siehe da, da hatte sie ordentlich zu knabbern! 🙂 Alles in allem mal wieder angep… und beschi…! Hatten wir doch schon mal. Soviel also zur Sendung mit der Maus – sonst wäre die regenbedingte Zwangspause aber eh zu langweilig.

Gut, man kann täglich neu bestaunen, wer sich in der Gemeinschaftsküche des Campingplatzes die Ehre gibt. Neuseeland scheint ganz klar in asiatischer Hand zu sein und vor allem Japaner und Chinesen lassen es hier so richtig krachen… Da wird ein beispielsweise ein kleiner Campervan gemietet, um den dann vor die Schlafhütte auf dem Campingplatz zu stellen, in der man indoor schläft. Gekocht wird mit Herzenslust und vielen Ausdünstungen, die uns wie lebende Speisekarten der vergangenen Tage durch die Räume wandeln lassen. Alles in allem sehr interessant anzusehen und so gar nicht langweilig. Täglich werden die ProtagonistInnen ausgetauscht und das Schauspiel beginnt in neuen Varianten neu…!

Herzlich willkommen an der Westküste Neuseelands: Regen satt, Touris satt und nur eine Straße! UUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUND: Osterzeit!

Allerspätestens am fünften Tag scheint uns der Lagerkoller fast in die Knie zu zwingen. Gut, dass der Wetterbericht baldige Besserung verspricht und so gelingt es uns, am Folgetag gegen elf Uhr den Absprung zu schaffen, weil es mal kurz aufgehört hatte zu regnen… Alles grau in grau, die Wolken hängen verdammt tief, aber wir müssen und wollen endlich weiter…

Den ersten Teil des Tages kämpfen wir uns bei ekelhaftem Regen über die steilen Auf und Abs nach Franz Joseph… Geht es noch touristischer? Jupp, F. J. kann es… Schnell die Vorräte auffrischen, den Hunger ignorieren und noch viel schneller weg hier. Gegen Nachmittag stellt sich so langsam die „Vorfreude“ auf das Nachtlager ein… Wenn es im Dschungel fünf Tag ergiebigst schüttet, wie ist es da um die Beschaffenheit des Bodens bestellt, auf dem man sein Zelt aufstellen will? Pitsch, Patsch, aua Mücke, aua Sandfly, nee, hier nicht!

Um so glücklicher sind wir, als Hammelinchen am Straßenrand ein Tor entdeckt, welches kein Verbotsschild trägt und uns geradewegs aufs Feld führt, was als Kuhweide her- und einen nahezu perfekten Boden für uns bereit hält. Gekauft! Die paar Kühe schauen dämlich drein und werden kurzerhand durch eine Harakiri-Einlage von Mister Mutton verjagt. (So groß und so ne Schiss! Tsss)

Die Sonne gab sich ab nachmittags tatsächlich ihr Stelldichein, was für eine Steigerung des bereits schon vorhandenen Glücksgefühls sorgte. Zelt aufbauen, Kocher anschmeißen und dann guten Appetit. Mit der Dämmerung vollzog sich ein Ereignis, was eher von der unangenehmeren Sorte beim Campen ist, hier in dieser Region aber Standard zu sein scheint: alles wird rasend schnell klamm und über Nacht so klitsch nass, dass man denken könnte, es hätte geregnet. Klar, bei der hohen Luftfeuchte und den Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht unvermeitlich. Hoffentlich begrüßt uns morgen die Sonne!

So, erstmal gute Nacht! Während des Einbuzelns beschleicht uns das zermürbende Gefühl, die Kühe könnten uns nachts ggf. zu nah kommen und/oder unser Zelt samt der schlafenden Hammels zertrampeln… „Was machen Kühe eigentlich nachts? Können die Viecher sehen?“ – Google – unbefriedigende Antworten – ‚Knister, Trappel‘ – Schreck!!!! – Wir starren mit der Stirnlampe aus dem Zelt ins Dunkel. Vier leuchtende Punkte glotzen in unsere Richtung!!! Kühe!!! „Verp… euch! Husch, husch!“ – Sie sind artig, zum Glück! War das jetzt eigentlich ne gute Idee hier das Zelt aufzuschlagen?!

Gute Nacht!!!! ZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZ

Mittlerweile scheint der Vollmond und Mister Mutton, der endlich mal das Käffchen am Abend sein lassen sollte, war schon zweimal in der klatschnassen Umgebung unterwegs, um die Folgen zu kompensieren. Zurück in der Schlaftüte und bereit für die nächste Ration Schlaf raschelt es schon wieder, aber diesmal sehr sehr nah bei unserem Zelt! Schreck… Kühe?!!! Der Schein der Lampe gibt Aufschluss. Ein dämlicher Vogel, scheinbar ein Kiew, will sich an unseren Sachen vergreifen… Großer Vogel mit einem beängstigend groß und scharf wirkenden Schnabel… „Verp… dich!!!“ Vogel unbeeindruckt, Mister gerät zunehmend in Rage, muss abermals in die nassen Schuhe und scheucht im Halbdunkel das Vieh durch die Gegend! Gibt etwas Besseres, um nachts nicht einzuschlafen?!?!?! Ach ja, kalt ist es auch und die Mücken und Sandflies gibt es ja auch noch…. Grmmml. Mister Mutton wir jetzt sehr ungemütlich und entgegnet der Penetranz dieses unter Artenschutz stehenden Vogels (natürlich im Affekt) mit einer Reaktion, die der Schreiber dieser Zeilen im Nachhinein nicht zu legitimieren beabsichtigt! Es fliegen Steine ins Dunkel und in Richtung Vogel… ! Klappt? Mmmh, ich will ihn natürlich nicht treffen und tue das auch nicht! Allein die Geste zählt … Mal sehen, ob er es den südamerikanischen Straßenködern gleichtut… ? Steile Lernkurve – Fehlanzeige! „Sehr gern“ trete ich noch mal ins Freie und gehe abermals auf die Hatz. Diesmal lege ich mir noch einen kleinen Steinevorrat vor dem Zelt an … Wirkt! Ruhe!!! Schlaaaaaaaaaafen?????? NEIN!!!! Mein Rücken meldet sich… Der Schmerz, der sich seit Christchurch nicht mehr verabschieden will!!!!

Gute-Nacht-Geschichten Part I – done! Am morgen sehe ich in ungefähr so erholt aus, wie die Nacht war. Wenigstens scheint die Sonne und wir starten nach reichlich Kaffee und entspanntem Verpacken in den nächsten Tag.

Weiter geht es durch den „tropischen Regenwald“. Durchaus anspruchsvoll erstreckt sich der Weg gen nächstem Highlight auf diesem Abschnitt – dem Westcoast Wilderness Trail. Hier haben die NeuseeländerInnen mal wieder nicht mit Geld und Enthusiasmus gespart und eine Radlstrecke in den Dschungel gezimmert, die an vielen Stellen einfach nur sehr viel Spaß macht. Dass wir uns nach der Regenphase der letzten Tage jetzt in einer Schönwetterperiode befinden, macht es nochmals angenehmer, auf diesem Pfad zu „wandeln“.

Circa auf der Hälfte des 130 Kilometer langen Weg legen wir uns mit den gleichen Rahmenbedingungen auf einem der wenigen Campingplätze zu Bette. Ist die Sonne weg, wird alles im Handumdrehen nass und es wird Zeit, gegen 19:30 Uhr in den Schlafsack zu kriechen. Und was man schon erahnen konnte, wurde jetzt Realität. Gute-Nacht-Geschichten Part II ist schnell erzählt. Hammelchen war wieder grandios unterwegs, diesmal waren die Protagonisten aber andere: bestens durch andere Touristen abgerichtete Vögel, dem KIWI nicht unähnlich, aber doch etwas anders terrorisierten uns die gaaaaaaaaanze Nacht. Sie ließen sich auch nicht lumpen und suchten die Apside des Zeltes nach Essbarem ab, schissen unsere Umgebung samt Picknickbank voll und sorgten für ein anämisch wirkendes Antlitz der Muttonherde…

Ein Wecker ist nicht mehr wirklich notwendig – kommt man in den frühen Morgenstunden dann doch mal ansatzweise in den Genuss eines kleinen Nickerchens, wird dies jäh unterbrochen vom anspringenden Motor eines der vielen Kleinbus-Kombi-Camper-Van-Vehikel, am besten keine fünf Meter neben einem. Warum zum Geier schreibt das neuseeländische Department of Conservation an jeden Campspot, dass der Ranger morgens in der Früh prüft, ob auch jeder seine Campinggebühr entrichtet hat?! – Danke!!! So heulen schon gegen fünf die ersten Motoren auf, fliegen in tausendfacher Wiederholung die Türen der Autos zu (was machen die Leute eigentlich?! Das Geräusch sich öffnender und schließender Autoschiebetüren sind für uns mittlerweile ein rotes Tuch), damit man ja das Weite gesucht hat, bevor der Ranger feststellen kann, dass man die Zeche geprellt hat… ! LEUTE, der Ranger war noch kein einziges Mal zugegen, auch nicht am frühen Vormittag! Lasst doch die Leute bitte etwas länger schlafen, dann läuft es auch anschließend auf den Straßen liebevoller und harmonischer ab, versprochen!

Habt ihr noch kurz Zeit für Gute-Nacht-Geschichten Part III? Der Trail spukt uns an einem traumhaften Strand ein paar Kilometer vor der Stadt Greymouth aus. Bei dem abendlichen Anblick dieser Perle der Natur werfen wir den Plan, auf einem Campingplatz zu nächtigen, um mal wieder in den Genuss einer Dusche zu kommen, kurzerhand über den haufen, und platzieren uns ein paar Meter entfernt vom Strandzugang, der eh nur von sehr wenigen genutzt zu werden scheint! Genialer Abschluss, die Sonne geht unter, die Nudeln schmecken noch mal deutlich besser vor dieser Kulisse und gegen 19:30 Uhr verschwinden wir unter dem imposanten Erscheinungsbild der Milchstraße über und dem tosenden Meer vor uns in das klamme Zelt und machen es uns gemütlich. Kann man denn damit rechnen, dass sich drei Stunden später für knappe fünf Minuten ein Regenguss über uns ergießt, während links und rechts von uns die Sterne am Himmel funkeln?! Klar waren unsere Apsiden geöffnet… Aber alles halb so wild, denn nass ist das Zelt so oder so… Am frühen Morgen guckt statt der Sonne ein mittelgroßer Köter in unser Zelt, rennt aber sofort davon, als er uns im Inneren des Zeltes wahrnimmt – es wird wohl dann doch mal Zeit für ne Dusche und etwas besseren Schlaf ;-)!

Sooo! Wir haben die Westküste nun quasi abgehakt und begeben uns jetzt wieder ins Inland, mehr oder weniger auf direktem Weg nach Picton, von wo unsere Fähre gen Wellington und somit auf die Nordinsel fährt. Das Wetter war besser als gedacht und die Landschaft durchaus eindrucksvoll, wenn auch nicht wirklich unser Favorit. Dass uns in den kommenden Tagen wieder jede Menge Highway-Kilometer bevorstehen, macht uns nicht gerade glücklich, nützt aber nichts.

Fotos werden demnächst nachgereicht, einige befinden sich aber auch schon auf Flickr.

Nicht mal mehr 50 Tage verbleiben uns im Ausland, bis es heißt: Hallo Deutschland, wir sind wieder da! Klar stellt man sich auch die Frage, was eines der ersten Dinge ist, die wir machen wollen ;-). Ganz weit oben auf der Liste? Wir begeben uns in einen typischen deutschen Supermarkt und dann wird zugeschlagen. Ob wir danach noch radfahren können? Egal, dann kugeln wir uns halt… 😉

So, für heute heißt es erstmal Schluss. Wir sind doch tatsächlich in einer Unterkunft mit festem Dach überm Kopf abgestiegen… . Nicht die beste Herberge, aber wir haben auch schon schlechter geschlafen. Mal sehen, wer diese Nacht zu Besuch kommt ;-).

Bis demnächst in dieser Runde. Es grüßen die Muttons.

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