100 km/h schnell, mehr oder weniger bequemes Sitzen, kühles Köpfchen durch eine Klimaanlage, Verdunkelungsmöglichkeit für die Fenster, verhältnismäßig günstig, keine Mücken, kein Wassermangel … ! Hach, so ne Busfahrt durch die argentinische Pampa hat so einige Annehmlichkeiten zu bieten… 

Argentinien im Bus mit Fahrrad? – Mmmh, manchmal kommt einem schon der Gedanke, während man bei brütender Hitze auf der Ruta 40 durch die nördliche Wüste Argentiniens strampelt, genau wissend, wo sich sein Hinterteil und die Arme befinden (Schmerzen!) während sich eine Salzkruste ob des sich sintflutartig ergießenden Schweißes wie eine zweite, oder dritte oder xte Haut langsam aber stetig auf die Muttonkörper legt. Als reiche dies nicht, um über busähnliche Alternativen zu sinnieren, buhlen vor allem Bus- und Pickupfahrer um unsere Aufmerksamkeit, indem sie so nah wie möglich am MuttonXpress vorbeirauschen… Oder die Fahrzeugführer aller möglichen motorisierten Vehikel, die uns just auf gleicher Höhe mit vollster Kraft der Hupe grüßen wollen!  Sollten wir dafür dankbar sein, dass sie uns vor dem permanent drohenden Tiefschlaf auf weiter Flur bewahren?!? Soweit geht es dann doch nicht, denn bei Lebensgefahr hört der Spaß eindeutig auf!!!

Dramatik pur, so dünkt es? Eher nicht! Hach, wie sehr sehnten wir uns vor allem danach, dass wir das erleben hätten können, was uns die grandiose Bildergeschichte von Eric im letzten Beitrag an Erfahrungen angedeihen lassen wollte. Herzlichen Dank dafür!!! Es war seit Wochen (und wir neigen ja bekanntlich rein gar nicht zu Übertreibungen!) die beste Unterhaltung, die sich uns bot. Die Realität sah gaaaaaaaanz anders aus: alle abgebildeten Gegenstände und Motive haben eines gemeinsam – es waren die Highlights des Streckenabschnittes seit Chilecito.

Nach stundenlangem Geradeausradeln – und wir sprechen hier im wahrsten Sinne davon – ist die Ankündigung einer Rechtskurve (und fällt sie auch noch so gering aus), wie Weihnachten und Ostern zusammen. Beherzt legen wir uns also in die Kurve, nur um nach drei Sekunden „Gaudi“ wieder stundenlaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaang geradaus zu pedalieren.

Wie schön, dass es dann kurze Abschnitte auf dieser Straße gibt, die dafür sorgen, dass man auch ja nicht einpennt auf dem Drahtesel – Schlaglöcher, wahlweise auch in einer der zahlreichen Senken, in denen sich zur Regenzeit viel Wasser ergießt, rütteln einen unweigerlich wach, sollte man nur ansatzweise dösen!

Überlebenswichtig ist in diesem Zusammenhang, sich ordentlich was auf die Ohren zu geben. Somit schlägt man der Monotonie ein kleines Schnippchen. (Leider hat hier das Musikabspielgerät des Mister Mutton, sein „SCHMARTFON“, gehörig was dagegen, denn Hitze durch (in)direkte Sonneneinstrahlung, GPS-Tracking und Musikhören sind eindeutig zu viel für den Prozessor. Der droht regelmäßig zu kochen und sorgt dafür, dass sich die Musikdatenbank in Luft auflöst :-(. Bleibt dem Kollegen Hammel eben nur die Möglichkeit, selbst für Musik zu sorgen. Während er also der Kakophonie freien Lauf lässt, ist Hammelinchen äußerst dankbar darüber, sich ihre Kopfhörer so gut es geht ins Ohr zu stopfen und der Musik ihres MP3-Players zu lauschen. Wer jetzt aber die Vegetation auf die meinigen Hammel’schen (Miss)Töne schieben will, dem sei gesagt, hier wächst sowieso kein Kraut mehr, auch ohne meine Trällerei!

Nächstes Highlight: Trinkpausen! Man nehme eine mit (hoffentlich) sauberem Wasser gefüllte Trinkflasche, packe dazu in die mindestens pisswarme Plörre etwas „Limonadenpulver“, um auf den Geschmack zu kommen, und halte so oft es geht (Straßenschilder sind gute Trinkstopppausenzeichen) an, nehme einen gehörigen Schluck aus der Bottle, während man von einem eiskalten Softdrink seiner Wahl träumt, den es in den nächsten Stunden definitiv nicht geben wird!

Kilometerangaben mit Straßennamen – was besonders Tolles?! – Ja aber sicher doch! Zum einen weiß man auch nach längeren Tiefschlafphasen, dass man sich noch auf dem richtigen Weg befindet und zum anderen nimmt man aufgrund der sich langsam verkleinernden Gesamtkilometerzahl der Ruta 40 bis zu ihrem Ende wahr, dass man sich überhaupt bewegt. In diesem Zusammenhang kommt man auch in den Genuss basaler Denkanstöße, wie der Frage nach dem Sinn der ganzen Schinderei!

Das letzte Bild mit einem sichtlich gezeichneten Hammelchen ist vom Motiv her sicher nicht mal ansatzweise ein Highlight – zugegeben. Allerdings ist es der das Bild umgebende Handlungsrahmen, verbrachten wir doch in einem kleinen Dorf geschlagene 4,5 Stunden mit einer Siesta, nur um festzustellen, dass ab 17 Uhr der Wind noch stärker und die Hitze noch drückender waren. Egal! Pause fetzt, wenn sie im Schatten stattfindet!

Mal ehrlich: Was verraten solche „Highlights“ eigentlich über die Streckencharakteristik? GENAU: Wir befinden uns gerade auf dem mental fordernsten Stück unserer bisherigen Reise. Kommt man aus den spektakulären Landschaften der Andenwelt in die Pampa Argentiniens, wirkt das wie ein mächtiger Schlag in das enthusiasmierte Radlergesicht!

Abwechslung bieten tatsächlich nur die Städte auf diesem weiten Weg gen Süden, der dennoch mit dem Rad zurückgelegt wird (in guten wie in schlechten Zeiten, woll?:-) ). So bot es sich an, mit einer Bike-Community ersten Ranges gemeinsam Weihnachten zu begehen, nicht irgendwo, sondern in der für ihren Wein weltbekannten Stadt Mendoza. Es wird „mal eben“ ein schnuckeliges Appartement in der Innenstadt angemietet, welches die Herberge für Vicky und Neil (britisch/irisch), Campbell (britisch), Scott (amerikanisch), Johannes (norddeutsch), Sebastian (süddeutsch), Mirko, Ina und die Muttons (sächsisch-deutsch!!!) bietet. In der Garage findet sich genügend Platz für die Räder, auf der Terrasse können der Norden und Süden Deutschlands wunderbar die Nacht verbringen, während in den Schlafräumen der Wohnung wohl klimatisiert der Rest am Schnarchen ist. Zwischendurch feuert die Biker-Communitiy ein kulinarisches Feuerwerk nach dem nächsten ab und kommt so in den Genuss verschiedener kultureller Weihnachtsspeiseensembles! Genial!!! Einfach nur ein gelungenes Weihnachtsfest, trotz der Ferne zur Heimat!

So schnell, wie die Gruppe zusammenfindet, verstreut sie sich am 27.12. auch wieder in die weite Welt Südamerikas. Für den MuttonXpress geht es alleine weiter auf der Ruta 40 gen Süden…. Boooaaaar, ist das …. siehe oben! Wir entscheiden uns dann auch gleich noch für einen 70-Kilometer-langen Umweg, weil wir einfach nicht genug haben können, verlassen die Ruta 40 auf der 143 gen San Raphael, um dann auf der 144 wieder straff auf Kurs gen Ruta 40 zu gehen. Warum? Wenn schon Pampa, dann wenigstens paved. Und das ist auf diesem Stück der 40 nicht möglich… Landschaftlich ist dieser Umweg etwas besser als gedacht, wenn auch nun nicht atemberaubend! Highlights? Jaaaa, ein Hitchhike-Angebot, was wir aber dankend ablehnten, führte dazu, dass der freundliche Argentinier uns 9 frische Pfirsiche auf die Karre packte. mmmmmh, yummi!

Das Wildzelten auf dem Weg nach Malargül wird zur Herausforderung – das Land links und rechts der über 280 Kilometer scheint immer irgendjemandem zu gehören!!! Somit sind unsere Wild-Campspots überwiegend auch nicht den Namen wert, aber alle soweit praktikabel.

Nach der letzten Nacht 30 Kilometer vor Malargül kamen wir dann aber in den vollen Genuss eines Campingarrangements erster Klasse – fließend Wasser eines Flusses (trinkbar), Ruhe, geniales Wetter und Idylle. Dass uns die Bremsen dabei fast aufgefressen haben, soll hier nur am Rande erwähnt werden. Man kann nicht alles haben und irgendwas ist ja immer! 🙂

So, während ich die letzten Zeilen ins digitale Papier hacke, ist das neue Jahr nun auch hier schon geschlagene 1,5 Stunden alt! Die Einwohner Malargüls begrüßten es kurz und schmerzlos mit etwas Knallerei – sehr angenehm. Vorsätze gibt es keine! Wünsche umso mehr. Aber wir lassen uns einfach mal überraschen von dem, was da noch so kommen werde. Spannender wird es sicher werden, so viel steht fest.. Sind wir schon im Norden Patagoniens angekommen? Unser Hostel heißt zumindest so!

Wir wünschen unserer Leserschaft ein gesundes und gutes Jahr 2017! Das neue Jahr wird sicher wieder ein paar Highlights bereithalten. Schauen wir mal!!! Bis demnächst in dieser Runde sagen die Muttons.

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