Timing ist bekanntlich alles – schön, dass wir davon etwas zu haben scheinen. Denn so ergeben sich immer wieder Situationen, die mindestens interessant sind :-)! Aufgestanden in Sajama, Frühstück, packen los? Genau! So schiebt man mir nichts dir nichts seinen Drahtesel auf die Piste, nur um festzustellen: „Ach guck, als hätte man den richtigen Riecher gehabt!!! „Farting Rob“ kommt um die Ecke und will den Tag mit uns verbringen. Na ob das mal gut geht?

Dann will er uns tatsächlich noch das letzte Brot vor der Nase wegkaufen… Mmmh, naja, in seinem Zustand ist das wohl die beste Nahrung. Wir lassen ihm den Vorrang, stellen aber später fest, dass er es verschmähte, weil es ihm zu teuer erschien – ein Boliviano pro Stück sind wohl ein zu stattlicher Preis? (Umrechnungskurs: 1 EUR – 8 BOB!)

Den Kaffee haben wir also an diesem Morgen eh auf, also können wir auch starten. 37 Kilometer bis zum Basecamp sind nicht viel, wollen aber auch geradelt sein. Langsam setzt sich die Herde in Bewegung – geht auch irgendwie nicht anders, denn die Piste ist mindestens genauso bescheiden, wie am Vortag. Da bahnt sich an, was man erwarten hätte können. Rob, der deutlich leichter unterwegs ist, nimmt irgendwann Fa(h)rt auf und verspricht uns, spätestens im Basecamp zu warten … Danke! Sehr nett!

Nach circa 2,5 Stunden Pisten-Sand-Waschbrett-Gedattel in unglaublich schöner Landschaft und einem Nationalpark-Wächter-Intermezzo (mehr sagen wir dazu nicht), treffen wir, unfassbar aber wahr, wieder auf Asphalt – Ruta 4, die ZWEITE der Zwei … Und auch auf Rob, der schon hier auf uns warten wollte.

Just in diesem Moment traf die Nachricht ein, dass sich Campbell, der sich zusammen mit Antonia einige Tage vor uns aus La Paz verabschiedet hatte, um einen nördlicheren Weg über Chile nach Sajama zu nehmen, in unmittelbarer Schlagdistanz befand und mit uns gemeinsam den 6000er Acotango besteigen wollte. Timing ist alles, und so radelten wir, enthusiasmiert ob des Wiedersehens mit ihm und des Umstandes, dass er sich wunderbar mit Rob verstand, bald gemeinsam dem Basecamp entgegen.

Ach ja, der Asphalt war schnell wieder Geschichte und wir holperten die nächste Piste bei reichlich Gegenwind entlang. Links-mitte-rechts, völlig egal … Es gibt auf diesen Dingern keine wirkliche Ideallinie. Spätestens hier wurden wir dann auch der Gewissheit gewahr, dass wir die ganze Chose deutlich zu gemütlich angegangen waren. Wir bogen auf eine, laut einer Website, leidlich gut zu befahrende Minenpiste ab, die einen satten, langen Antieg auf kaum fahrbarem Untergrund für uns bereit hielt. Herzlichen Glückwunsch!!! Schieben war angesagt, und alle japsten ob der Anstrengung und der immer dünner werdenden Luft auf mittlerweile 4500 müN ordentlich nach Luft.

Das Timing bescherte uns ein sehr freudiges, wenn auch kurzes Wiedersehen mit Vicky und Neil (die wir das erste Mal in Cusco und dann später in La Paz trafen), die sich gerade auf dem Rückweg vom Gipfel befanden. Gut, dass ihre Wegerfahrung uns dazu veranlasste, unser Basecamp ob des Windes direkt auf 4600 müN aufzuschlagen … Geschafft für heute – es war reichlich spät und so entschieden wir uns für ein spartanisches Mahl aus Brot und Schokolade, um uns so schnell wie möglich vor der um sich greifenden, windigen Kälte in unsere Schlaftüten zu verkriechen!!! Gute Nacht!!! Morgen wartet hoffentlich der Gipfel!

Guten Morgen! Es ist fünf Uhr dreißig, die Sonne streckt ihre Fühler ganz langsam aus… Zeit für einen Kaffee bei frostigen Temperaturen und dann nüscht wie los… Hammelinchen hat sich entschieden, am Basecamp zu bleiben und auf die Sachen aufzupassen. Das macht es für den Rest (Campbell, „Farting Rob“ und Hammelchen) deutlich leichter und angenehmer, wissen wir doch, die Ausrüstung wird auch noch da sein, wenn wir wieder unten ankommen.

Der Blick auf die Wettervorhersage der nächsten Tage bestätigt den Titel dieses Beitrages, am heutigen Tag besteht wohl erstmal die letzte Möglichkeit der nächsten Tage, in irgendeiner Weise da oben die Aussicht genießen zu können…. Super! Also trampeln wir fröhlich drauf los. Mister Mutton ist morgens um diese Zeit (Hallo!!! 6:30 Uhr!!!) noch sowas von überhaupt nicht bergtauglich und schnauft ganz schön, um mit seinen Hammelbeinen dem Tempo der beiden Briten gerecht zu werden. Toll, das kann ja was werden!

Nach gut zwei Stunden erreichen wir das Ende der Minenpiste auf circa 5300 müN – krass!!! So hoch war ich noch nie … Und nu? Das kann doch nicht ernsthaft der Weg..? Oh yes!!!! Ein sandiger und gerölliger Pfad entlang eines Bachlaufes ist jetzt das Terrain für Bergmutton und Co. In den Alpen ist solch ein Gelände tatsächlich ein Klacks, aber hier? Laaaaaaaaaaaangsam, sonst geht einem tatsächlich nach wenigen Metern gehörig die Luft aus. Das Panorama tut sein übriges – einfach fantastisch, und wir sind noch nicht mal oben!

Eine Stunde später, 5700 müN – vor uns baut sich ein gigantische Wand auf, die die Arbeit der nächsten Stunden markiert. Und eigentlich besteht Einigkeit darüber,, dass wir drei jetzt schon ganz schön im Eimer sind! Nützt aber alles nichts – das Ding muss heute abgefrühstückt werden, also pronto … Wenn wir schon mal hier sind….

5852 müN – Ich japse nach Luft, das Gelände schont uns nicht. Wir kämpfen uns durch kurios aussehendes Büßereis und genießen einen atemberaubenden Blick über Teile Boliviens und Chiles – 6000 reichen doch auch, oder? Boar – so einen anstrengenden Käse hatte ich wahrlich selten bis noch gar nicht in meinem Leben! Da noch rauf?! Jeder Schritt zieht einem jetzt die Lungenflügel zusammen und die dünne Luft zwingt zu Zwangspausen „aller paar Meter“! „Das ist definitiv mein erster und letzter 6000er!“ – und mit diesem Gedanken bin ich da oben nicht allein:-)!

Gegen 11.45 Uhr stehen wir schließlich oben! Gipfel … Genial!!! Erhabenheit und Stolz macht sich breit im zum noch zur Verfügung stehenden Brustraum genauso wie in Gesicht und Schädel!!! – Oder Moment, doch nicht? Da drüben? Dieser Punkt ist doch aber definitiv … stopp … GPS?! Mmmh, uneindeutig… Wir drehen sicherheitshalber zwei Videos und lichten uns an beiden Stellen ab… Wenn wir schon mal hier sind?! 🙂

CERRO ACOTANGO !!!!! DONE!!!!

Just in diesem Moment wandelt sich das Wetter (Timing!!!) und wir blasen zum Rückzug. Der Abstieg ähnelt teilweise einer Skiabfahrt im Sand – und geht ganz schön auf die Haxen! Das Wetter im Genick bestreiten wir den Rückweg und sammeln so unaufhörlich insgesamt knapp 23 Kilometer Wegstrecke zurück zum Basecamp… Herzlichen Glückwunsch, Graupelschauer… Schnell die Klamotten gepackt und ab auf den Downhill – diesmal mit ordentlich Rückenwind. Geht doch!

Zum Abschluss des Tages arrangiert Campbell im nächsten Dorf eine Schlafmöglichkeit in einer Schule – Farting Bob natürlich mit an Bord!!! Mmmh… Egal!

Die nächsten Tage nach Sayama gestalten sich anstrengend, abwechslungreich und landschaftlich sehr reizvoll!!! Jetzt heißt es Flüsse queren, ohne sich nass zu machen (aber gefahren werden muss schon, denn wir sind ja nicht zum Trekken hier 🙂 ), den mistigen Wetterkapriolen entkommen (wir haben tatsächlich auch hier immer ein super Timing und finden Unterstell- und Übernachtungsplätze) und mit sehr wenig Luft in den Reifen den Sandpisten trotzen.

Nach neun anstrengenden Tagen seit La Paz erreichen wir schließlich Sabaya- ein Ort, der den Titel „Stadt“ nicht wirklich verdient, sich aber wunderbar für einen Ruhetag anbietet! Sehr gern!!! Und um die Stromversorgung im Hostal kümmern wir uns auch gleich noch selbst …

Die befestigte Straße auf den letzten Kilometern waren eine Wohltat und rissen den einen oder anderen Teilnehmer zu untypischen Aktionen hin :-).

Die nächsten Höhepunkte sind auch schon griffbereit – wir schauen mal eben beim größten Salzsee der Erde vorbei!!! Der liegt genau, nämlich drei Tage, vor unserer Haustür!

WAS FÜR EIN TIMING – Und das Wetter der nächsten Tage verspricht Sonne satt. Na dann…

Die Muttons sagen adios und melden sich voraussichtlich für zwei bis drei Wochen ab, denn infrastrukturell bleibt es mindestens so karg wie bisher!

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