Folgetag – Es steht die längste Abfahrt unseres Lebens an. Über 40 km Piste von 3700 müN auf reichlich 1300 müN ins Tal des Rio Pativilca. In Rajan lassen wir die Möglichkeit aus, noch ein paar Vorräte einzukaufen, es kommt ja noch ein Ort! Ein schwerer Fehler?

Wir stürzen uns ins Tal und während es Frau Mutton gemütlicher angehen lässt, ist Hammelchen kaum zu bremsen, legt sich im Mittelteil fast noch fein auf die Schn…, hebt sich den Radfahrer-Fauxpas aber dank seiner versierten Körperbeherrschung 🙂 für einen späteren Teil des Tages auf. Geniale Abfahrt! Grandiose Aussichten, einfach Spaß!

Dumm nur, dass im angesprochenen Ort die Tiendas alle irgendwie verschlossen sind… Für Gringos öffnen? Nö!!! Nach Stunden im Tal angekommen, sind wir konfrontiert mit Hitze, dem längsten Anstieg unseres Lebens (über 80 km) und kaum mehr existenten Wasser- und Nahrungsreserven.

Das zweite Drama beginnt. In 8 km soll es eine Wasserquelle geben. Wir quälen und in der Mittagshitze den Canyon hinauf und werden Stück für Stück zu Trockenfleisch. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann doch – die Rettung!!! Frisches Wasser direkt aus dem Berg. Ultima Ratio wäre gewesen, Wasser aus dem Fluss zu trinken. Was man sich dabei möglicherweise einfängt, möchte ich an dieser Stelle lieber nicht erörtern! (peruanischer Umgang mit der Natur ist nicht vergleichbar mit dem in Deutschland) Wenige Kilometer weiter gibt es dann tatsächlich noch ein Geisterdorf, in dem eine alte Frau eine Tienda betreibt, die wir quasi leeren, indem wir die letzten Kekse und zwei Coca Cola kaufen, deren Haltbarkeit in zwei Tagen abgelaufen wäre. Da geht wohl nicht viel in Sachen Absatz! Für uns ist es ein Eldorado!

Der konzentrierten Leserschaft schwant bereits, was nun kommt: Die Schlafplatzsuche. Dem Tod gerade nochmal von der Schippe gesprungen, sind wir diesmal tatsächlich gelassener. Mister Mutton produzierte im Moment der Unachtsamkeit auf sandig-steiniger Uphillpiste noch einen Sturz, ähm Umfaller, leckte kurz seine Wunden und wir schraubten uns weiter die Piste hinauf… Das Glück schien diesmal mit den Tüchtigen. Wir fanden zum richtigen Zeitpunkt eine alte Ruine direkt an der Straße, in der unser Zelt wunderbar Platz fand, beseitigten noch schnell die Exkremente verschiedenster Lebenwesen (wer wird denn wählerisch sein?!) und konnten zufrieden und entspannt einschlafen, nachdem wir unsere Instantnudeln, Cola und drei Packungen Kekse verkonsumierten, als wäre es das Weihnachtsfestessen schlechthin.

Heute ging es dann weiter straff bergauf. Wir stürmten auf dem Weg nach Cajatambo eine gut bestückte Tienda und genossen die Aus- und Einblicke auf und in diese grandiose, einsame und schroffe Landschaft.

Aktuell nächtigen wir in einem Drei-Sterne-Hotel als einzige Gringos und gönnen uns nach vier Tage ohne die Möglichkeit des Waschens diesen Luxus für unschlagbare 35 Soles (9 EUR)!!!

Wer sich jetzt fragt, was dieser sonderliche Beitragstitel mit dem geschilderten Inhalt zu tun hat, dem sei gesagt, dass uns dieser grandios anmutende Neologismus auf dem steinig-schönen Weg quasi von allein in den Sinn kam :-). (Man bediene sich mindestens zweier Sprachen, sei dabei vielleicht nicht ganz so kritisch korrekt und kombiniere die einzelnen Beschreibungen des Weges miteinander, dann sollte man fündig werden 🙂 )

Morgen geht es weiter bergauf (immernoch im längsten Anstieg unseres Lebens), um irgendwann den Pass auf reichlich 4800 müN zu nehmen. Was’n Spaß! Diesmal kaufen wir reichlich ein!!!

Es grüßen platt und zufrieden die Muttons.

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