Vorbemerkung: Alle ab dem jetzigen Zeitpunkt fabrizierten Rechtschreib- und sonstigen grammatikalischen Fehler sind auf Sauerstoffmangel im Hammelchen Rechenzentrum zurückzuführen, der ob der dünnen Höhenluft vorherrscht :-)! Solltet Ihr vorher Fehlern habhaft geworden sein, habt Ihr Euch definitiv verlesen!

„Que pais?“, „Disculpe?“, „QUE PAIS???“, ruft uns, leicht despektierlich wirkend, die bäuerliche Lokalbesitzerin des Restaurants im Bergdorf Chuquicara en passant zu, nachdem sie uns zwei satte Portionen pollo con arroz vorgesetzt hat. (Komischerweise bekommt Frau Mutton IMMER das deutlich größere Stück Geflügel! Hängt das mit den jüngsten Protesten gegen die peruanische Machokultur hier zusammen und ist quasi vollzogene Gegenwehr? Keine Ahnung! Aber sollte dies so sein, will ich es gern ertragen!) Was will sie von uns?! Mist, haben wir was falsch gemacht?

Schnell greifen wir zum Offlinewörterbuch des Smartphones und fangen an, uns den Sinn zu erschließen… ‚que‘ ist klar, ‚pais‘ – Gegend, Landschaft … Ah, sie fragt uns, wie wir die Gegend finden! „Mui bien, gusto!“ Sie quittiert unsere Antwort nicht mal ansatzweise mit erkennbarer Freundlichkeit und zieht von dannen. Etwas verunsichert verspeisen wir unser Mahl, als ihr Mann um die Ecke schlendert, deutlich freundlicher als seine Frau, und uns mit der gleichen Frage konfrontiert… Gleiche Antwort unsererseits und seine Reaktion gibt uns zu erkennen, dass wir wohl nicht auf dem richtigen Dampfer mit unserer Übersetzung sind. Weg ist er. „Vielleicht will er ja wissen, aus welcher Gegend wir kommen und nicht, wie uns sein Land gefällt. Das will ich überprüfen, und wenn ich mich hier ganz zum Affen mache, geht es eh auf das allgemeine „Gringokonto“ der Peruaner :-)! Also hinterher. „Wir kommen aus Deutschland“, begegne ich dem Mann in „perfektem“ Spanisch und BINGO, that’s it! Die Mienen der ganzen Familie klaren sich auf und es wird ein geselliger Aufenthalt, der sogar in einer Übernachtung im familieneigenen Unterkunftsarrangement mündet. Wie wäre die Reaktion wohl ausgefallen, wenn wir Amerikaner wären?!

Wir befinden uns auf dem Weg zur und durch die Entenschlucht (Canyon del Pato), die mit ihren Steilwänden, dem mächtigen Rio Santa und ihren über 40 Tunneln ein sehr imposantes, wenn auch teilweise stressiges und anstrengendes Radelerlebnis bietet. Langsam aber stetig schrauben wir uns diesen Canyon hinauf, fasziniert von den Steilwänden und Felsformationen um uns herum, die uns ganz klar sagen, wie „groß“ wir sind! Die Tunnel in Kombination mit dem Fahrstil peruanischer Überlandbus- und Sammeltaxifahrer lassen uns ein ums andere Mal die Ansätze von Panik verspüren, wenn wir in Mitten der Dunkelheit das penetrante Hupen des heranrollenden Vehikels vernehmen, ohne zu wissen, ober wir gesehen werden! Unsere Stirnlampen laufen im Powermodus und sind aufs Blenden ausgerichtet. Besser ist besser!

Resultat dieser Etappe: Viele Höhenmeter bergauf trainieren genauso unser Durchhaltevermögen, wie die ständige Sonne im Nacken bei der Fahrt nach Süden und die teilweise anstrengend zu befahrenen Pisten. Zudem gilt es jetzt, die zarten Muttonkörper 🙂 für die ansteigende Höhe zu wappnen. Akklimatisierung ist angesagt und dazu sei geraten, sich langsam aber stetig an den abnehmenden Sauerstoffgehalt zu gewöhnen. Zusammen mit der atemberaubenden Landschaft wird die Luft mitunter ganz schön knapp ;-).

Nach vier Tagen erreichen wir die Kleinstadt Caraz auf nunmehr 2300 m ü N, ein vitales, kleines Nest, in dem wir beschließen, für zwei Tage zu bleiben, um einen kleinen Abstecher in die Cordilliera Blanca zu machen. Die schon mit ihren zahlreichen 6000ern visuell beeindruckende Gebirgskette soll am nächsten Tag als Arena für den Kampf der Muttons gegen das Sauerstoffdefizit herhalten. Wir deponieren den meisten Krempel im Hostalzimmer und nehmen den Weg zur Laguna Paron auf 4200 m ü N in Angriff. Was für eine Schlacht!!! Auf 22 km vernichteten wir über 2000 hm bergauf, wurden von fleischfressenden und blutsaugenden Killerinsekten heimgesucht, deren Stiche auch noch Tage nach diesem Intermezzo für geschwollene Extremitäten sorgten, duellierten uns mit einer krottenschlechten Piste, die uns im wahrsten Sinne des Wortes auch ordentlich „Dreck fressen“ ließ, trotzten der erbarmungslos herabscheinenden Höhensonne genauso wie der zunehmend dünner werden Luft, um …., ja was eigentlich? … Um letztlich 8 km vor dem Ziel aus Gründen der Vernunft der ganzen Aktion das Motto „Der Weg ist das Ziel!“ zu geben! Toll! Das haben wir uns definitiv anders vorgestellt. Aber nützt ja alles nix. Die fortgeschrittene Zeit zwingt uns zum Rückzug und der knapp zweistündige Downhill hat es auch noch einmal in sich, auch wenn er das Geländefahrerherz defintiv höher schlagen lässt.

Neben der gewohnt imposanten Landschaft beeindruckten uns zudem die Menschen in den Bergdörfern. Sie verrichten schwere Arbeit auf den Feldern, treiben die Ochsen über den Acker, um den Boden aufzulockern, verarbeiten die Feldfrüchte zu Waren, die sie später auf den Märkten der Städte an die Leute bringen, waschen die Wäsche mit der Hand, bereiten das Essen über offenem Feuer zu und leben in Hütten, die in Deutschland zum Abriss freigegeben werden würden. Sie strahlen dabei (zumindest in dieser kurzen Momentaufnahme) eine beruhigende Gelassenheit aus, grüßen freundlich und bringen des öfteren ein sympathisches „ah, Gringo“ über die Lippen. Am Abend treten sie dann den Heimweg von den Feldern zurück in die Dörfer an und tragen dabei offensichtlich stolz die gepflegte Traditionstracht in knalligen Farben. Von Hektik keine Spur. Ein paar Meter weiter erfasst uns dann ein ums andere Mal die urbane Hektik.

Und so kommen wir zum Kern des Titels dieses Beitrags! Es ist uns tatsächlich bis jetzt nicht möglich gewesen, unseren geschundenen Körpern eine konstante und durchgehende Schlafphase zu gönnen. Denn wenn bei uns die „Lichter ausgehen wollen“, fängt das Leben auf der Straße erst so richtig an. Alle Lebewesen tummeln sich in den Gassen, spontane Straßenumzüge finden statt und die Fernsehgeräte kennen nur eine Lautstärke: volle Kanne. Temperamentvoll geht es zu und so kann es auch passieren, dass man nachts um drei aus dem Halbschlaf gerissen wird, um mit ansehen zu können bzw. zu müssen, wie sich volltrunkene Personen Duelle mit Händen, Wörtern und Steinen liefern! Lautstarke Gespräche in Treppenhäusern, Hinterhöfen und auf den Straßen sind quasi omnipräsent. Knallende Türen und Fester gibt es gratis dazu. Von der Verkehrskommunikation berichteten wir ja schon.

DAS LEBEN IST NE PARTY UND WIR SIND MITTENDRIN!

„Na dann PROST!“, sagen die Muttons, die sich jetzt im Trekking- und Bergsteigermekka Huaraz aufhalten, und, soviel sei verraten, den Kampf mit den Lagunen auf anderem Wege zu einem erfolgreichen Ende führten :-)!

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