„Die Letzten werden die Ersten sein!“, gleichwohl „den Letzten die Hunde beißen“ könnten, während „der frühe Vogel den Wurm fängt“ und trotzdem „aus dem letzten Loch pfeift“, weil ihm „die Luft ausgeht“. Es ist gar nicht so leicht, die richtige Strategie zu wählen, wenn man sich in einer Gruppe voller „Outdoorer“, mit klassischen Utensilien und der Verbissenheit zu siegen ins Gesicht gemeiselt, wiederfindet, die sich zum Ziel gesetzt hat, ein dezidiertes Ausflugsziel der Cordilliera Blanca: die Laguna 69 im Sturm zu erobern.

So brachen wir am 28.08. um 5:30 Uhr in Huaraz auf (zu den frühen Vögeln gehörten wir da wohl gezwungenermaßen), um nach vier Stunden turbulentester Busfahrt, erst auf Asphalt nach Yungay, dann auf abenteuerlicher Piste vorbei an den Lagunen Warmicocha und Orkoncocha, auf 3915 m ü N mit tausenden anderen Menschen aus dem Bus zu springen (ganz schön dünne Luft hier oben!) und die letzten 700 hm bis zur Laguna 69 auf Schusters Rappen zu absolvieren. Wir haben diesmal das klassische Touriprogramm gebucht, was uns die Gelegenheit geben sollte, die Akklimatisierung etwas schonender zu betreiben. Spätestens am ersten obligatorischen Frühstückshalt bei einer „Partnerkneipe“, wo man beispielsweise ggf. benötigtes Klopapier kaufen musste, aber auch nur maximal 15 Minuten Zeit hatte, was auch immer zu tun, um nicht ein zürnendes „Vamos!“ vom „Guide“ entgegengeschleudert zu bekommen, wurde uns wieder klar, warum wir solche Arrangements tunlichst meiden, sofern es gute Alternativen gibt. Aber mal mit ist es ganz lustig, beobachten und feststellen kann man nämlich viel:-)!

Beispielsweise sind die unterschiedlichen Ausstattungen der „ExkursionsteilnehmerInnen“ bemerkenswert: Jeans, Leggings, Wanderklamotten, Designerbrille, Designerhandtasche, Absatzschuhe, Goretexkampfanzüge, Hotpants, Kopftücher aller Arten, usw. Ich denke, das Bild ist einträglich genug:-)!

Und dann ging es los. Getreu der Mentalität, immer der/die Erste sein zu wollen, stürmte man los und blickte noch mal schnell despektierlich auf diejenigen Leute zurück, die es langsam angehen ließen. Sind doch auch nur 700 hm… N Witz!!! Doch „abgerechnet wird am Schluss!“ und so mussten viele dem anfänglich (zu) hohen Tempo schnell Tribut zollen. Ganz spaßig ist das Ganze dann auch nicht mehr, wenn es die Gesundheit der Ausflügler tangiert. Andererseits sollte jeder wissen, auf was er sich bei solch einem Tripp einlässt. Vom Anbieter darf man da wohl nicht allzu viel „echte“ Beratung erwarten.
Wir wählten ein gemütliches Tempo und stapften entspannt dem Ziel entgegen! Es ist erstaunlich, welche Auswirkungen 500 hm auf den Organismus haben können, wenn man sich in diesen Höhen bewegt. Rennen sollte man tunlichst meiden, wenn man noch nicht akklimatisiert ist. Schnaufen tut man bergauf dennoch ziemlich schnell.

Die Strecke selbst und das Ziel waren trotz aller Anstrengung aber definitiv ein Highlight. Die Baumgrenze der Alpen ist hier Makulatur, schneebedeckte Gipfel und Gletscher umringen die Hochebene, auf der wir laufen. Der Weg schlängelt sich in Serpentinen immer weiter hinauf, erst gemächlich, dann sehr steil. Wir erreichen eine weitere Hochebene – viele wähnten sich am Ziel, waren doch schon fast zwei Stunden Wanderung vergangen … „Hier muss doch irgendwo die verd…. Lagune … sein!“ – konnte man aus den Gesichtern vieler Wanderer ablesen! – Nix da. Vor uns baute sich eine Wand auf, die den Schlussanstieg markierte. Das zog so manchem vollends den letzten Zahn! („Nur 700 hm“, ja, ja). Wir nahmen es sportlich, waren wir doch dank GPS vorher schon im Klaren darüber:-).

Insgesamt war es also eine gelungene Aktion mit ein paar Nebenwirkungen, die man letztlich ausblenden kann. (Die Rückfahrt war mindestens genauso ätzend, wie die Anreise.)

Huaraz selbst hinterlässt ein ambivalentes Sammelsurium an Eindrücken. Schon der Ritt über 70 km von Caraz hierher war uns deutlich von zu viel Lärm, Dreck und Verkehr geprägt. In dieser Stadt wurde das natürlich nicht weniger und die Steine, die ich für aggressive Hunde in der Hand hielt, hätte ich ab und an allzu gern auf so manchen hupendes Auto geschmissen! Im Hostel selbst geht es „lebhaft“ zu, ein klassischer Euphemismus für sehr laut. Andererseits kann man hier alle Annehmlichkeiten urbanen Lebens genießen. Das fängt bei der Kulinarik an (Pizza, Pasta, Mehrschweinchen – was im Prinzip wie Hähnchen schmeckt, Fisch, … :-)) und geht bei Serviceleistungen wie Wäschewaschen oder Haareschneiden weiter.

Apropos:-)! „In der Kürze liegt die Würze“ – und so ergab sich die gewichtsreduzierende Neugestaltung meines Hauptes, was zugegebenermaßen auch etwas auf Sprachbarrieren zurückzuführen ist. Aber es wächst ja alles wieder nach 🙂 Ein Haarschnitt dieser Art, sofern man ihn als solchen bezeichnen mag, kostet weniger als die Hälfte einer Packung Müsliriegel. Frappierend, vielleicht auch etwas beängstigend…

Morgen verlassen wir nach knapp vier Tagen diesen Hort urbaner Vitalität und Annehmlichkeit. Es geht zurück auf die Piste, es warten viele Höhen- und einsame Kilometer! Was für ein Spaß! Wir freuen uns.
Adios und bis demnächst, die Muttons!

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