Es ist 22:21 Uhr und wir lassen es uns in einem Motelzimmer in Garberville am Rand des Humboldt Redwood National an State Parks im sonnigen Kalifornien gutgehen. Die letzten drei Radeltage hätten widersprüchlicher nicht sein können.

Vorgestern starteten wir nach unserem Ruhetag und den ersten Eindrücken von den Giganten des Waldes frohen Mutes weiter gen Süden, um die berühmte und berüchtigte Avenue of the Giants zu beradeln, eine Straße von 31 Meilen Länge mitten durch die jahrzehnte und jahrhunderte alten Gehölze der Redwoods.

Doch erst einmal hieß es, den Highway 101 zu bewältigen, der mittlerweile zum Freeway mutiert war. Gegenwind, massiver und schneller Verkehr, nicht ungefährliche Ab- und Auffahrten sowie dreckige Randstreifen waren das Ambiente, in dem sich neben zahlreichen, munter vor sich hinstingenden Tierkadavern alle Arten von Schrauben, Regenjacken, Reifenreste, Geröll, Glasscherben, Radkappenüberreste, Spanngurte, Metalldingsbumse etc. finden lassen konnten. Laaaaaaaaaaangweiliges und nerviges, weil stressiges Pedalieren! Wir sind schon etwas verwundert, dass dies die offizielle Streckenführung der Pacific Bike Route ist. Stellenweise gibt es aber tatsächlich keine sinnvollen Alternativen. Teilweise wichen wir etwas von der vorgegebenen Route ab und genossen die seltenen Anblicke von Seehunden an der Küste von Patricks Point. Auch die Freshwater, Stone und Big Lagoon vorher waren nett anzusehen. Das war es dann aber auch schon mit Abwechslung! Wir verbuchen es als mentales Training und deuten das Unbehagen über diesen Streckenverlauf als das Resultat der phantastischen Eindrücke des Trips bis zu diesem Punkt.

Dann mal schnell die Städte Arcata, Eureka und Rio Dell hinter uns gelassen, um zum „Trailhead“ der Avenue of the Giants zu gelangen… Was sich uns dann bot, kann gut und gern als das einschneidenste, eindrucksvollste, erhabenste und wunderbarste (ja, diese Superlative sind hier wirklich angebracht 🙂 ) Walderlebnis, was uns je zu Teil wurde, bezeichnet werden. Riesige Bäume säumen den Rand dieser kleinen Straße, spenden den Schatten, den geschundene Biker für eine solche Tour bergauf brauchen, lassen genau so viel Sonnenlicht durch ihre erhabenen Kronen, dass das Wechselspiel von Licht, Schatten und klassischer Waldfarbenpalette exakt das Ästhetikempfinden eines Mitteleuropäers anspricht. Darüber hinaus hat man stets eine Relation zu seiner eigenen Größe und steht beeindruckt vor oder in (sic!) den Riesen, wie der Bauer im Mittelalter vor den Kathedralen der Macht. Unser Prädikat: muss man nicht, aber sollte man erlebt haben, sofern die Chance besteht!

Die Eindrücke in Worte zu fassen, die einem in dieser Szenerie zuteilwerden, ist ein hoffnungsloses Unterfangen und mein obiger Versuch ein Dokument dafür :-). Gleichwohl lässt er vielleicht ansatzweise erahnen, welches Stück Welt einen da umgibt. Dass selbst PS-protzige Allrad-Jeep-Truck-was-auch-immer-Vehikel im Schritttempo durch die Redwoods tuckern, ist vielleicht ein weiteres Indiz dafür.

An dieser Stelle lassen wir jetzt einfach ein paar Bilder sprechen!!! Die Fülle der Fotos korrespondiert mit unserer Begeisterung :-).

In den nächsten Tagen verläuft unserer Route dann wieder näher entlang der Küste und wir steuern unaufhaltsam auf die Stadt zu, für die wir uns noch Blumen in die Haare stecken müssen (zugegebenermaßen schwierig bei Mister Mutton, aber ich lass mir was einfallen!), wenn wir sie betreten wollen. Danach gibt es Optionen, die sich gerade konkretisieren: „Vegas, Baby!“ 🙂 Wann ist man denn schon mal wieder so weit im Westen?!? Später mehr dazu!

Wir wünschen euch einen guten Tag und uns eine gute Nacht. Adios und bis demnächst in dieser Runde.

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