Moin und sonnige Grüße aus Long Beach,

nachdem das gestern mühevoll unter heroischer Erduldung einfallender Mückenheere auf dem Campingplatz erstellte Lebenszeichen von uns heute morgen zum eigentlichen Upload aus unerklärlichen Gründen ins Tabula rasa verschwunden ist, versuchen wir es heute einfach noch mal!

Mit anstrengenden 118 km haben wir heute den 6. Radeltag beendet und befinden uns nun endlich auch am Pazifik mit seiner guten Luft, seinem Wind und den fießen Steigungen seiner Küste. Aber endlich am Wasser zu sein mit abwechslungsreichen Perspektiven macht, das Radeln doch etwas interessanter. Wir nächtigen heute in einem liebevollen Motel namens Seaview, wobei wir allerdings nicht so genau wissen, wo der sein soll :-). Aber das haben wir vorhin noch schnell per pedes erledigt. Sonnenuntergang an dem wohl weltweit am längsten zu befahrenden Sandstrand… Aha … Dafür sind die ganzen Jeeps in the US!

Wir kommen immer besser in den Tritt. Und auch wenn unsere Brookssättel doch noch relativ weit entfernt zu sein scheinen vom viel gepriesenen Sofafeeling, so bleiben wir doch guter Dinge und geschmeidig 🙂 Das wird auch irgendwann bei uns so sein!!!

Welche Eindrücke haben sich denn jetzt so verfestigt?

Vancouver ist eine durchaus tolle Stadt, die es sich zu besuchen lohnt. Ob sie jetzt aber als eine der besten Weltstädte herhalten kann, können wir so gar nicht beurteilen. Das ist wie immer auch eine Frage der Perspektive(n). Will man Gelassenheit erleben und dazu noch ein maximales Maß an Fahrradfahrkompatibilität, ist man hier genau richtig. Auch ist die Umgebung aus Bergen, Strand und Wasser sicher reizvoll. Ansonsten reiht sich die Stadt ganz gut in die Galerie anderer Großstädte ein.

Der Weg von Vancouver über die Grenzstadt Blaine nach Port Townsend weiter über Aberdeen nach Grayland, unserem gestrigen Übernachtungsort war landschaftlich eine Mischung aus monotoner Kulturlandschaft mit Abschnitten skandinavischer Waldregionen (die stellenweise natürlich auch kultiviert sind). Zudem mussten wir meist stark befahrene Highways nutzen, was mit großem Lärm, viel Dreck und eher wenig Entspannung verbunden war. Auf diesen knapp 500 km bot uns die Landschaft also relativ wenig Abwechslung und wir konnten uns auf die Klassiker der Wehwehchen zu Beginn einer Radreise konzentrieren: Es fängt mit einem latenten Drücken an einer variabel wählbaren Körperstelle an (hier sei jetzt mal der Hintern als Beispiel angeführt). Was macht man da? Richtig: Ausgleichsbewegung! Ergebnis: Der Schmerz breitet sich aus, und zwar auf mehrere Bereiche des Körpers … Herzlichen Glückwunsch zum Rundumpaket… Wenn man jetzt wenigstens mal einem Elch oder einem Bären oder einem weltgrößten Irgendwas begegnen würde … ?! 😉

Einige Dinge fallen hier im Bundesstaat Washington des Jahres 2016 aber deutlich auf. Donald Trump scheint keine schlechten Karten als neuer Präsident der USA zu haben, lässt man sich von den Eindrücken hier (ver-)leiten und kombiniert das Ganze dann noch mit dem TV-Programm einschlägiger Sender. Natürlich ist das hier alles nicht repräsentativ, aber in vielen Vorgärten springen einem die Banner außerordentlich stark in den Blick. Clinton-Plakate? Fehlanzeige. Naja, das eine will ich nicht unterschlagen: „Clinton for prison“ 🙂

Man fragt sich aber schon, warum die Affinität für die inhaltlichen Schwerpunkte der Trump’schen Agenda hier so hoch zu sein scheint. Schnell fällt die Tristesse vieler Straßenzüge, vermüllte Trailerparks und fehlende Industrie ins Auge. Auch strotzen die Landstriche, die wir beradelt haben, nicht von Wohlstand im Überfluss. Sind das Gründe, warum der Trump’sche Dunst verfängt? Es bleiben Vermutungen. Aber ob es sich in diesem Dunst denn dann besser leben ließe, muss es wohl auch bleiben…

Ansonsten erleben wir viele Amerikaner im Alltag als entspannt, immer freundlich grüßend und durchaus hilfsbereit! Da können wir echt nichts sagen und fühlen uns gut aufgehoben. Neben den Standards „Woher?“ und „Wohin?“, wurden uns auch schon zweimal Schlafmöglichkeiten offeriert.

So, morgen steht der letzte Radeltag vorm ersten Ruhetag an. Es geht bis fast nach Oregon, worüber wir auch schon mehrfach hörten, es sei relativ gefährlich, da zu fahren …  Die Straßen seien eng und dazu diese gigantischen WohnDINGER … ja was sollen die eigentlich darstellen? … Wohnmobile, mobile Häuser, Wohnbusse? Natürlich hängt man dann gleich noch den Geländewagen hinten ran und zieht ihn mit durch die Walachei. Wenn die Ressourcen da sind, muss man sie auch verwenden… (Trump: Make America great again!)

Wir werden uns überraschen lassen. Landschaftlich soll dies einer der beeindruckendsten Teile der Strecke sein. Also wird sich der Stress schon lohnen. 🙂

An dieser Stelle wollen wir allen Kommentatorinnen und Kommentatoren für eure Beiträge danken. Wir freuen uns sehr darüber. Bitte habt Verständnis dafür, dass wir nicht jeden beantworten können.

So denn, die Muttons gehen jetzt mal schön schlafen, damit es morgen wieder rundgehen kann.

Beste Grüße vom Pazifik und bis später! Cheers!

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